Lohndumping durch Leiharbeit
1. Leibeigene der Arbeitsagentur
Die Zentrale der Hamburger Arbeitsagentur
bietet seit einigen Wochen ein ungewohntes Bild: mitten
in der Behörde wurden Büros von privaten
Zeitarbeits-Unternehmen eröffnet. Ganz offen kann man
hier besichtigen, wie eng die Zusammenarbeit der
Behörde mit jener Branche ist, die Gewinne mit
dem Verleih von Billig-Arbeitskräften macht. Das
Geschäft boomt. Die Wachstumsraten sind beträchtlich und
zudem staatlich garantiert.
Die rot-grüne Koalition hatte mit dem sogenannten
"Arbeitnehmerüberlassungsgesetz" den
rechtlichen Rahmen für die massive Ausweitung der
Zeitarbeit geschaffen. Schröder & Co
haben z.B. die zeitliche Beschränkung der
Verleihzeit von Arbeitern aufgehoben. Die
Möglichkeiten, Zeitarbeit auszuweiten, wurden so erhöht.
Mit der Hartz-Gesetzgebung wurde der Zwang auf Erwerbslose erheblich verstärkt, jede Arbeit
anzunehmen. Unter der Drohung der Streichung des
Lebensunterhaltes hat man Arbeit anzunehmen, auch wenn der Lohn nicht zum Leben reicht. Für jede
Menge Billig-Arbeitskräfte ist also gesorgt.
Damit die Zeitarbeits-Unternehmen die Billig-Löhner auch möglichst schnell und reibungslos
ausnützen können, hat die ARGE jüngst einen
Kooperationsvertrag mit den 15 größten Zeitarbeitsfirmen
abgeschlossen. Um den Zugriff auf die Arbeitslosen
zu verbessern, setzt die Arge jetzt direkte
Ansprechpartner für die Zeitarbeitsfirmen ein. Die
Zeitarbeitsfirmen erhalten Zugriff auf die Bewerberdaten
und liefern möglichst detaillierte Profile ihrer
Jobgesuche. Wer bei ihnen nicht spurt, wird sofort bei der
ARGE denunziert und muss mit Sperrzeiten rechnen.
2. Leiharbeit: die staatlich geförderte Seuche
Mit der staatlich geförderten
Leiharbeits-Branche ist ein Hebel entstanden, die "Besitzstände" der
Belegschaften anzugreifen und die Arbeitslosen
noch perfekter gegen die Nochbeschäftigten auszuspielen.
Stammbelegschaften werden immer weiter reduziert und durch Billiglöhner ersetzt, die keine
feste Betriebszugehörigkeit mehr besitzen und nach
dem "Hire and Fire"- Prinzip jederzeit abrufbereit
dastehen müssen - oder die bei Beschwerden
über Zumutungen sofort wieder abgezogen werden
können. Durch die Zergliederung der Belegschaft
wird die dringend notwendige Organisierung gegen
die sich verschlechternden Arbeitsbedingungen und
Löhne erschwert. So zeigt sich bei dem letzten Streik
im Einzelhandel, dass dort Angestellte von
Zeitarbeitsfirmen als Streikbrecher eingesetzt wurden.
Unternehmen entledigen sich mit dem Einsatz von Zeitarbeit der Kosten für die Bereitstellung von
Arbeitskräften und leihen sich ihr Personal befristet
aus. Indem Unternehmen exakt das Quantum Arbeit abrufen können, nach dem aktuell Bedarf besteht,
werden Arbeitnehmer dem Bedarf der Unternehmen radikal unterworfen. Arbeitnehmer müssen
intensiver arbeiten und auf Abruf antreten, wenn sie
gebraucht werden, und dann je nach Bedarf 20, 30 oder 60 Stunden
arbeiten. Dazu haben sie durch gesonderte Tarifverträge
ein schlechteres Einkommen. Die hat die DGB-Führung seinerzeit
im Auftrag Schröders unterschrieben - damit nicht nur die
Unternehmer satte Gewinne mit der Billig-Arbeit machen, sondern
auch die Zeitarbeitsbranche. Die Durchschnittslöhne in
der Zeitarbeit liegen so erheblich (30 % - 40 %)
unter denen, die in der Gesamtwirtschaft gezahlt werden.
3. Dringend nötige Gegenmaßnamen
Politikern und Unternemern geht es bei ihren Reformen stets um die Senkung von Lohn- und
Sozialeinkommen. Arbeitskämpfe, die sich z.B. im
Einzelhandel oder bei der Bahn dagegen richten,
müssen auch von außen unterstützt werden. Unser
Sozialforum sieht in der Unterstützung von Streiks
eine seiner Aufgaben.
Betriebsräte, die dem Einsatz von Leiharbeitern
und 1-Euro-Kräften zustimmen, sind kein Grund zum
Jammern. Solche Figuren müssen vielmehr
entschlossen in den Gewerkschaften bekämpft werden. Mit
der Sozialpartnerschaft der DGB-Gewerkschaften, bei
der jede Forderung den Geschäftsinteressen der
Unternehmer untergeordnet wird, muss Schluss
gemacht werden.
Die permanente Senkung des Lebensstandards braucht den aktiven Widerstand aller Betroffenen
- ob in der Zeitarbeit, ob in "Normal-Arbeit" oder
schon arbeitslos. Der maßlose Hunger nach
Wirtschaftswachstum durch steigende Profite verursacht
immer mehr Armut. Das erfordert die kompromisslose
Organisierung des Widerstands durch die Leidtragenden dieser Politik.
Dazu gibt es z.B. in
Eimsbüttel unser Sozialforum. Ω
Leiharbeit: Zunahme 1980 - 2005 durch staatliche Förderung (oben) und Zunahme in den letzten Jahren (unten, Quelle: IG Metall Bayern
Vorlage zur Internationalen Konferenz zum Thema
"Leiharbeit"
15./16. Juni 2007
In Grafenau)
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