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In Armut leben - früher sterben


Verkürzte Lebenserwartung durch Niedrig-Einkommen (Quelle: IGKE)

Das Fünftel der Bevölkerung, das die niedrigsten Einkommen hat, stirbt fast zehn Jahre vor den 20% am oberen Ende der Einkommensskala. Die Gründe dafür sind bekannt.

  1. Bei Menschen mit niedrigen Einkommen handelt es sich, so behaupten Journalisten und Gesundheitsexperten, um eher "bildungsferne Schichten". Und die, so heißt es, wären eben nicht so "gesundheitsbewußt". Tatsächlich bietet die deutsche Zwei-Klassen-Medizin den ärmeren Bevölkerungsteilen nur "unbedingt notwendige" Leistungen. Und was "unbedingt notwendig" ist, wird von der Politik immer mehr zusammengestrichen. Arznei-Zuzahlungen und Praxisgebühr schließen zusätzlich Millionen von medizinischen Leistungen aus.
  2. Dass die Zustände in deutschen Pflegeheimen irgendwie "eine Schande" sind, findet sogar die BILD-Zeitung. Ein Drittel der "Pflegefälle" bekommt nicht genug zu essen oder zu trinken. Wie viele Todesopfer die Billig-Unterbringung fordert, hat das Blatt allerdings nicht berichtet. Das Bundesgesundheitsministerium hat zu dem Thema erklärt, dass die Zustände in vielen Pflegeheimen besser geworden wären. Das dürfte stimmen. Die unmenschliche Behandlung der Alten ist eben auch eine Frage der Klassenzugehörigkeit. Jeder Luxus-Senioren-Stift zeigt, dass es am Geld liegt.
  3. Dem Umweltbundesamt ist neuerdings aufgefallen, dass Leute mit Niedrig-Einkommen sich besonders in Gebieten mit hoher Umweltbelastung ansiedeln. Wer sich keine bessere Wohnung leisten kann, stirbt früher. Und wenn Hartz-IV-BezieherInnen nicht freiwillig in beschissene Billig-Wohnungen umziehen, hilft die Arbeitsagentur gerne mit Zwangs-Umzügen nach.
  4. Niedriglöhner "sind eher bereit, gesundheitlich riskante Tätigkeiten zu übernehmen". Das erklären Arbeitswissenschaftler in ihrer zynischen Sprache. Tatsächlich ist es ein Grundprinzip kapitalistischer Ausbeutung, dass ein Job um so mieser bezahlt wird, je mehr die Arbeit die Gesundheit zerstört. Wo sich niemand findet, der freiwillig für miesen Lohn seinen Körper ruiniert, da hilft die Erpressung der Arbeitsagentur nach. Auch wenn die Arbeitsplätze noch so gesundheitsschädlich sind: freie Stellen gelten in Deutschland als Skandal, nämlich als Beweis für die "Faulheit der Arbeitslosen."

Dass Armut im reichen Deutschland längst tödliche Formen angenommen hat, ist kein öffentlicher Skandal. Niemand fordert, dass den zuständigen Politikerinnen das Handwerk gelegt wird.

Harte Strafen werden dagegen gefordert, wenn Erwerbslose nicht Arbeit um jeden Preis wollen. Zwangsmaßnahmen sollen dann noch mehr Druck ausüben. Denn die Leute, die man glatt zehn Jahre früher verrecken lässt, haben gefälligst ihr ganzes verkürztes Leben einer "geregelten Beschäftigung" nachzugehen, und sei es in "Beschäftigungsmaßnahmen", die den Erwerbslosen aufgezwungen werden. Ω

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