Am 9. August begannen die Streiks der GdL, einer Nicht-DGB-Gewerkschaft, in der Lokführer und Fahrpersonal der Bahn-AG organisiert sind. Unser Sozialforum solidarisierte sich mit den Streikenden mit einer Aktion, bei der u.a. das folgende Flugblatt im Bahnhof verteilt wurde.
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Gegen HartzIV
und Niedriglohn:
Ohne Streik geht es nicht.
Solidarität für die Lokführer ist nötig

Transparent der GDL an bestreikter S-Bahn |
Tausende Lokführer wollen streiken, weil sie für ihre Arbeitsleistung
mehr Geld wollen. Gründe dafür gibts genug. In Deutschland verdienen
Lokführer viel weniger als sonstwo in Mittel- oder Westeuropa. Die Lebenshaltungskosten
steigen. Seit Jahren haben Tarifrunden dafür keinen Ausgleich gebracht.
Also wollen die Lokführer den Preis für ihre
Arbeitsleistung anheben. Die Bahn-AG akzeptiert das nicht. Es gibt einen
Konflikt. Und Politiker, Manager und Medien behaupten:
Schuld an dem Konflikt hat die Gewerkschaft der Lokführer.
Wieso eigentlich?
Wenn es um höhere Kosten für Strom oder Treibstoff
geht, zahlt die Bahn-AG selbstverständlich. Würden die Züge
nicht fahren, weil die Bahn gestiegenen Energiepreise nicht
bezahlen will, würde niemand das den Energiekonzernen
anlasten. Ein Energiekonzern hat das heilige Recht seine Preise
erhöhen, wenn er z.B. höhere Kosten hat, oder wenn es ihm
in seine Gewinnkalkulation passt. Wenn Kolleginnen, die für
dünnes Geld bei der Bahn-AG arbeiten, wegen tatsächlich
gestiegener Lebenserhaltungskosten den Preis für ihre Arbeit
anheben wollen, dann weigert sich die Bahn-AG. Und Politik
und Medien sind sich einig: das Fahrpersonal der Bahn hat
gefälligst zum alten Preis seine Leistungen zu bringen.

Unsere Soli-Aktion im Hauptbahnhof vor bestreikter S-Bahn |
Ihre Lohnforderungen wären angeblich überzogen, so heißt es.
Die Konzernführung der Bahn-AG, die sich gerade eine Steigerung der Manager-Gehälter
um 60% genehmigt hat, wird dazu ermuntert, den Forderungen nicht nachzugeben.
Gegen die Gewerkschaft der Lokführer (GdL) hetzt auch eine verkommene
Gewerkschaft" namens Transnet. Im Namen einer angeblichen
Beschäftigungssicherung" hat dieser Verein dem
Bahn-Management jahrelang alle Wünsche erfüllt:
Real-Lohnsenkungen, Arbeitszeitverlängerungen und Entlassungen hat
Transnet" zugestimmt. Dieser Verein ruft jetzt seine Mitglieder offen
zum Streikbruch auf.
Unterstützt von einer solchen Streikbrecher-Gewerkschaft"
fühlt sich das Bahn-Management stark. Es sondiert die
Rechtslage. Im August zeigte sich, dass ein beliebiges
Arbeitsgericht irgendwo in der Provinz ein einstweiliges Verbot von
Streiks erlassen kann. In Nürnberg fand sich eine Richterin, der
im Interesse der Bahn-AG entschieden hat. Begründung:
der Streik würde den Geschäften der deutschen Wirtschaft
schaden. Politiker, Manager und Medien triumphieren. Denn
mit dieser Begründung lässt sich tatsächlich jeder Streik
verbieten.
Dabei gehen Politik und Justiz, Bahn-Management
und Transnet die Interessen der Fahrgäste am Arsch vorbei.
Das zeigt sich auch ganz deutlich bei ihren Plänen zur
Privatisierung der Bahn.
Lohnsenkung und Fahrpreiserhöhungen dienen der lukrativen Bahn-Privatisierung

Transparent der GDL vor dem Bahnsteig der S-Bahn |
Wenn der Politiker an das Geld von Normalverdienern ran wollen, dann treiben
sie Steuern ein. Die Mehrwertsteuer wurde z.B. gerade auf 19% angehoben. Gleichzeitig
wurden die Unternehmenssteuern gesenkt. Statt Steuern von Vermögenden zu
erheben, macht die Politik diesen Leuten lieber lukrative Angebote. Die Politik
bietet ihnen z.B. Anteile an ehemals staatlichen Institutionen an. Telefon,
Strom, Gas und Wasser sind schon privatisiert, Krankenhäuser werden gerade
an Aktiengesellschaften verkauft. Post und Bahn sollen global agierende Großkonzerne
werden, die an der Börse Milliardenerlöse einbringen.
Die Börse schätzt niedrige Lohnkosten über alles.
Bahn-Manager und äußerst kompromissbereite
DGB-Tarifpolitiker haben daher seit Jahren bei der Bahn die Reallöhne gesenkt.
Billiger sind die Fahrpreise natürlich nicht geworden.
Zu einer lukrativen Geldanlage soll die Bahn ja dadurch
werden, dass sie auch in Zukunft Monopolpreise verlangen kann.
Die Bahn-AG bekommt praktisch das Eigentum über das
Schienen-Netz, damit das so bleibt. Das schafft die
Überschüsse, mit denen denen der Global Player" international
expandieren kann.
Leidtragende der Privatisierung sind also Bahnbenutzer und die Kollegen, die
für die Bahn arbeiten. Die Streiks behindern den von der Politik heißersehnten
Börsengang der Bahn. Ein Grund mehr, diese Streiks zu unterstützen.
Bescheidene Lohnforderungen wie im Einzelhandel verhindern keine Streiks, weil
die Unternehmer immer unverschämter werden

"Aufgrund von Streikmaßnahmen derzeit kein Zugverkehr" |
Der sogenannte Aufschwung hat auf dem Arbeitsmarkt vor allem eins bewirkt:
einen Boom von Leiharbeit und Niedriglohnjobs. In unserem Sozialforum beteiligen
sich viele Bezieherinnen von Arbeitslosengeld II (ALG II). Sie erleben täglich,
dass die finanzielle Lage von ALG II Beziehern immer auswegloser wird. Immer
mehr sind hoffnungslos überschuldet. Über sogenannte 1-Euro-Jobs werden
sie immer öfter als Lohndrückerinnen eingesetzt. Die Arbeitsagentur
erzwingt die Annahme von Arbeit, von der man nicht leben kann.
Durch die Hartz-IV-Regelungen wächst die Angst vor
der Arbeitslosigkeit. Das war die Absicht der Politiker, die Hartz
IV beschlossen haben. Dadurch wächst allgemein die
Bereitschaft, für immer weniger Geld immer mehr zu arbeiten. Gegen
diese Spirale nach unten können wir uns nur gemeinsam zu
Wehr setzen. Ohne richtige Arbeitskämpfe geht das nicht.
Das sehen auch immer mehr Kolleginnen im Einzelhandel. Dort hat ihre stets
kompromissbereite DGB-Gewerkschaft VER.DI lausige 5% gefordert. Die Unternehmer
wollen dafür aber Zuschläge für Nacht-, Spät- und Samstags-Arbeit
streichen, also eine drastische Lohnsenkung durchsetzen. Statt gegen diese Unverschämtheit
flächendeckend zu streiken, wird darüber verhandelt. Bei den wenigen
Streiks in Supermärkten setzen die Unternehmer Zeitarbeitsfirmen als Streikbrecher
ein - eben jene Zeitarbeitsfirmen, bei denen auf Druck der Arbeitsagentur jede
Menge Erwerbslose anheuern müssen.

Transparent auf der Empore |
Wir hoffen, dass Lokführer und Fahrpersonal gegen die Bahn-AG einen erfolgreichen
Arbeitskampf führen und keine faulen Kompromisse eigehen. Ihre Forderung
von bis zu 30% ist keineswegs übertrieben. Ihr Erfolg würde allen
Auftrieb geben, die sich gemeinsam gegen Armut und Billiglohn zu Wehr setzen
müssen.
Ob ALG II, Niedrig-Rente, Billig-Lohn oder Lokführer-Gehalt:
30% mehr für Alle!
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