|
siehe auch Aufruf des Anti-G8-Bündnisses für eine revolutionäre Perspektive
G8: Der Gipfel des Imperialismus
Einmal pro Jahr findet ein G8-Gipfel statt. Dort treffen sich
die Regierungschefs der acht mächtigsten Industriestaaten. Sie
streiten sich untereinander über die Regeln der
Weltwirtschaft. Sie fassen gemeinsame Beschlüsse gegen den
Rest der Welt.
Im Juni 2007 wollen sich die Herrschaften in Heiligendamm bei
Rostock treffen.
Gegen G8-Gipfel gab es bisher immer Massenproteste. Und
jedesmal war ein massives Polizeiaufgebot nötig, damit diese
Treffen stattfinden konnten. Wir sind sehr dafür, dass es
gegen den G8-Gipfel 2007 vor Ort massive Demonstrationen gibt. Auch
Hamburg soll kein friedliches Hinterland des Gipfels sein.
Die Macher der Globalisierung
Politiker und Unternehmer reden andauern von
Globalisierung. Sie sagen: Die Globalisierung erfordert, dass
deutsche Unternehmen höhere Gewinne machen müssen,
damit sie noch „wettbewerbsfähiger” werden. Sie sagen:
Die Globalisierung macht es nötig, dass die Steuern
für Unternehmen gesenkt werden, damit sie nicht
„abwandern”. Die Bevölkerung soll das z.B. durch die
Anhebung der Mehrwertsteuer bezahlen. Sie sagen: Die
Globalisierung macht es nötig dass Löhne gesenkt und
Sozialstandards abgebaut werden. Sonst wäre Deutschland bald
nicht mehr „wettbewerbsfähig”.
Die Globalisierung, so behaupten Politiker und Unternehmer, sei
ein Prozess, für den sie nichts können. Das Gegenteil
ist der Fall.
Die Industriestaaten haben die Globalisierung
gewollt.
Sie haben alle anderen Staaten erfolgreich erpresst.
Gegenüber dem Rest der Staatenwelt haben sie Liberalisierung
und freien Kapitalverkehr durchgesetzt. Alles muss käuflich
sein und Gewinne abwerfen.
Dadurch genießen die weltweit agierenden
Unternehmen jede Menge „Investitionssicherheit”. Das
heißt: Man garantiert ihnen überall minimale Steuer-
und Umweltauflagen. Niemand darf sie daran hindern, ihre
Gewinne in ihre Konzernzentralen zu transferieren. Die liegen in
G8-Staaten. Sie erhalten weltweit Zugriff auf
natürliche Ressourcen und billige Arbeitskräfte. Und die
nutzen sie systematisch aus.
Planet der Global Player
Marktwirtschaft war schon immer eine internationale
Angelegenheit. Neu an der sogenannten „„Globalisierung” ist
die Freiheit, die das Kapital weltweit geniest. Den G8-Staaten ist
diese Freiheit ein besonderes Anliegen. Sogenannte Global
Player kontrollieren die Wirtschaft der
„globalisierten” Welt. Es sind milliardenschwere Unternehmen,
die in der Regel von G8-Staaten aus agieren.
Handel und Industrie sind Standbeine ihrer Profite, ebenso die
Spekulation mit Energie und Rohstoffen. Die Spekulation mit dem
Kauf und Verkauf ganzer Firmen ist ein besonders lukratives
Geschäft der Global Player. Sie kaufen andere Firmen auf,
schlucken sie, schlachten aus und verschlanken durch
Massenentlassungen.
Wo sie Rohstoffe abbauen, verseuchen sie Mensch und Natur
und hinterlassen Wüsten. Ganze Regionen werden von ihnen
deindustrialisiert. „Klimawandel” ist das verharmlosende Wort
für die Zerstörung der Erdatmosphäre durch
die globalisierte Chemie- und Energiewirtschaft.
Der Kapital-Wert der Global Player hängt von den
Gewinnen ab, die sie in Zukunft erwarten können. Gehen ihre
Wachstumsprognosen zurück, verwandeln sie sich in
Finanzblasen. Platzt so eine Milliarden-Blase, kann das eine
ganze Währung ruinieren. Das ganze Welt-Finanzsystem ist
also abhängig von ihren florierenden Geschäften.
Auch die kleineren und mittleren Unternehmen bekommen
eine neue Rolle in der globalisierten Welt. Für sie heisst es:
Fit für den „internationalen Wettbewerb” werden, oder
untergehen. Die neuen Freiheiten als Chance nutzen! Und das tun sie
auch: Wo sie können, verlagern sie ihre Produktion in
Billiglohngebiete. Die Lohnschraube drehen sie runter, und die
Leistungsschraube drehen sie überall rauf. Die
verschärfte Konkurrenz heizen sie selber mit an - und das
alles auf Kosten der Lohnabhängigen Menschen.
Wirtschaftskrieg zwischen den G8-Staaten
Jeder G8-Staat steht hinter den international agierenden Firmen,
die auf seinem Staatsgebiet ihr Kapital anhäufen. Merkel
vertritt beim G8-Gipfel natürlich die Interessen der deutschen
Global Player. EON-Ruhrgas und RWE, Siemens, Post, Telekom,
VW, Daimler-Chrisler, BMW und Allianz sind weltweit agierende
deutsche Global Player.
Unter den den Unternehmen herrscht gnadenlose Konkurrenz. Sie
jagen sich gegenseitig nicht nur Marktanteile ab. Richtig
erfolgreich ist ein Global Player, wenn er einen anderen
ruiniert oder schluckt.
Offene oder heimliche Subventionen für die im eigenen Land
ansässigen Unternehmen sind üblich. Diese offen
nationalistische Politik führt dazu, dass sich die
konkurrierenden Staaten „unlauteren Wettbewerb”
vorwerfen und gegenseitig Strafmaßnahmen
verhängen. Die G8-Staats-Chefs tun so als wären
Importzölle ein Verbrechen gegenüber der Menschheit, aber
nur, wenn sie von anderen Staaten verhängt werden.
Umgekehrt ist den G8-Staaten selber keine protektionistische
Maßnahme zu schäbig, wenn sie damit einen
ausländischen Konkurrenten schädigen können.
G8-Staaten subventionieren Lebensmittelexporte, so dass sich in der
3. Welt die Nahrungsmittelproduktion kaum noch lohnt. Gegen
Nahrungsmittelimporte werden in den Industriestaaten
Strafzölle verhängt, wie gegen chinesische Schuhe.
Die G8-Staaten sind sich nicht einig, in welcher
Währung die internationalen Geschäfte abgewickelt
werden. Die USA will, daß alles so bleibt, wie es mal war:
alle brauchten den Dollar und die US-Notenbank hat mehr als
genug davon gedruckt - zum Schaden der anderen Staaten. Die
EU-Staaten wollen, das nachmachen. Sie wollen, dass die ganze Welt
von ihren Euro-Zetteln abhängig wird und die
internationalen Geschäfte in Euro abgewickelt werden. Die
Zeiten sind vorbei, wo der Dollar das einzige Weltgeld war.
Umso instabiler ist das Weltwährungssystem. Ein
wichtiger Streitpunkt auf jedem G8-Gipfel ist: wie kann es
stabilisiert werden, und wer hat dafür Zugeständnisse zu
machen.
Die Staats-Chefs haben bei ihren Treffen also jede Menge
Differenzen zu klären. Immer stellt sich die Frage, ob und
gegen wen sie zusammenhalten, oder ob und wo sie sich
offen bekämpfen.
G8 heißt Krieg
Bei ihren Treffen führen sich die G8-Staats-Chefs
gegenüber dem Rest der Menschheit auf wie eine
Weltregierung. In erster Linie geht es ihnen um die Freiheit
des Welthandels, also die Freiheit der Global Player.
Den G8-Staaten ist klar, dass dadurch viele andere Staaten zu
„Globalisierungsverlierern” gemacht werden. Aber die anderen
Staaten haben ihre Macht zu respektieren. Die Drohung mit Krieg ist
ein probates Mittel gegen Staaten, die die Freiheit des Kapitals
einschränken oder behindern. Die G8-Staatschefs verhandeln
deshalb, gegen welche Staaten sie gemeinsam vorgehen, und wie das
geschehen soll.
G8-Staaten verfolgen oft gegensätzliche ökonomische
und militärstrategische Interessen. Sie unterstützen
korrupte Regimes oder destabilisieren unliebsame Staaten, je nach
eigener Interessenlage.
Die USA haben z.B. eine Liste mit „Schurkenstaaten”
aufgestellt, mit so unterschiedlichen Staaten wie Kuba, Burma,
Weißrussland, Syrien, dem Iran und Nord-Korea. Sie alle
werden mit Krieg bedroht.
Ein weiteres Problem haben die G8-Staaten mit Regionen, die sie
bereits wirtschaftlich oder militärisch ruiniert
haben, z.B. in Afrika, in Asien und im Süden des ehemaligen
Jugoslawien. In Afghanistan und im Irak treten G8-Staaten als
Besatzungsmächte auf.
Jeden unliebsamen Staat definieren sie als Terror-Regime, und
Widerstand definieren sie als Terror. Jeden ihrer Gewaltakte
entschuldigen sie als „Terrorismusbekämpfung”. Für
die nächsten Jahrzehnte haben sie einen „Krieg gegen den
Terror” beschossen. Damit haben sie sich einen Blankoscheck
ausgestellt, für Angriffskriege, Folter und Staatsterror.
Die Machthaber der freien Welt
Nummer eins des G8-Gipfels ist der Ultrarechte George W.
Bush. Er regiert das mächtigste und reichste Land der
Erde. Millionen hungern im Land des christlichen
Fundamentalisten Bush. Krieg und Folter sind seine
Markenzeichen. Bush hat drei Bündnispartner in seinem
Gepäck: seinen Getreuen Blair, einen Kanadier und den
japanischen Staatschef. Der will Japan wieder zur
militärischen Großmacht ausbauen, mit Hilfe der USA
gegen China.
Merkel, Prodi und Chirac treten auf dem G8-Gipfel als
Euro-Mächte auf. Mit ihrer Währung wollen sie dem
Dollar als Weltwährung ernsthaft Konkurrenz machen. Die EU
soll die die USA vom ersten Platz der Weltwirtschaftsmächte
verdrängen, möglichst schon im Jahr 2010. Lohn-
und Sozialdumping ist ihr Rezept. In Deutschland nennt sich das
„Agenda 2010”, oder einfach „Reformpolitik”. Als
Billiglohngebiet und Steuerparadies hat sich die EU
inzwischen größere Teile Ost-Europas einverleibt.
Nummer acht des Gipfels ist Putin, der Präsident Russlands.
Kein Land ist so reich an Rohstoffen. Große Teile der
russischen Bevölkerung leben unter katastrophalen
Verhältnissen. Den Reichtum Russlands haben sich dortige
Milliardäre unter den Nagel gerissen. Putin vertritt
deren Interessen. Deshalb gilt Putin als „mutiger
Reformer”.
Diese Herrschaften verdienen keinen störungsfreien
Auftritt in Heiligendamm, und schon gar keine
Gastfreundschaft.
|