Empörung am 15. Okrober auf dem Rathausmarkt - mit lauter Illusionen in Staat und Marktwirtschaft:
«Echte Demokratie» als Heilmittel
gegen die geplanten Opfer der Finanzkrise?
«Menschen und Umwelt gehen vor
Profite!»
Merkel, Ackermann & Co würden diesen Satz aus
dem Aufruf auch unterschreiben. Die würden außerdem
dreist behaupten, so wäre es auch tatsächlich. Aber ohne
Profite, ohne Wirtschaftswachstum ginge es nicht, sagen die.
Noch der Letzte dürfte irgendwie kapiert haben,
dass die Profit-Interessen tatsächlich absolute Priorität
genießen. Aber wieso denkt anscheinend niemand darüber
nach, wieso das eigentlich so ist? Es läge an einer
«Diktatur der
Finanzmärkte...»
... steht im «Echte Demokratie
Jetzt!»-Aufruf. Ist das nicht - vorsichtig ausgedrückt - eine grobe Vereinfachung?
Muss sich die Regierung eines so mächtigen Staates wie
dem deutschen, tatsächlich von Banken herum
kommandieren lassen - oder handeln nicht vielmehr deutsche Politiker
im eigenen, nationalen Interesse?
Es geht ihnen darum, dass sich der Reichtum der
Welt möglichst auf deutschen Konten ansammelt. Genau
deswegen hatte die Schröder-Regierung seinerzeit den
deutschen Finanzmarkt erfolgreich reformiert. Aber außer
Kontrolle" sind die Finanzgeschäfte in Frankfurt dennoch
nicht. Kein Geschäft geht auch dort ohne staatlich
garantierte Rechtsgrundlage. Diese Grundlage könnte jederzeit
entzogen werden, aber das will man in Berlin nicht. Man
sollte sich also hüten, die deutsche Politik als Opfer der
Finanzmärkte zu beschreiben.
Ihre Machtlosigkeit beschwören Politiker selber
nämlich auch; z.B. wenn sie die leeren Kassen" beschwören.
«Doch - Geld ist da! Aber an verkehrter
Stelle!»...
...meint dagegen «Echte Demokratie
Jetzt!». Ja wo ist das Geld denn? Haben es die Reichen im Garten
vergraben? Tatsächlich liegt es auf den Konten der Banken - und
wenn die pleite gehen, ist auch das ganze Geld futsch. Wenn
das Geld der Banken nicht erfolgreich als Kapital fungiert,
bricht das ganze System zusammen. Alles hängt vom
Florieren der Banken ab, weil alles und jeder vom Geld
abhängig gemacht wurde.
Deswegen ist es auch etwas irre, wenn man im
Aufruf von der «sogenannten (!) Rettung von
Banken» spricht. Es geht tatsächlich darum, und wie!
Es stimmt schon, dass eine «Politik gegen die
Interessen der Mehrheit der Bevölkerung
durchgeführt» wird, nicht nur in Griechenland, sondern auch im reichen
Deutschland, das sich bisher als Krisengewinnler aufgespielt
hat. Aber wie sollen denn sonst die Banken saniert
werden? Schon vor der Lehmann-Krise vor drei Jahren waren
die Banken doch zu dem Ergebnis gekommen, dass das
normale Geschäft für sie nicht mehr genug abwirft.
Deswegen misstrauen sie jetzt auch der Bonität der
Staatsschulden. Sie drängen auf politische Maßnahmen zur Steigerung
der Profite. Sie verlangen, dass die Staatshaushalte
saniert werden. Und wie soll das gehen, wenn nicht mit aller
Gewalt auf Kosten der privaten Haushalte?
Daran würde sich übrigens nicht das geringste
ändern, wenn die Banken verstaatlicht würden. Denn
verstaatlichte Banken sind genauso wenig ein Segen für die
Menschheit wie verstaatlichte Atomkraftwerke. Wer für die
Sanierung der Banken ist, muss eben schon in Kauf
nehmen, dass das nur durch immer mehr Armut und
Ausbeutung geht.
«Entgegen jeder demokratischen
Legitimation»...
...führen die Politiker die Maßnahmen zur Sanierung
der Finanzen durch, behauptet «Echte Demokratie
Jetzt!». Und «Echte
Demokratie» soll auch schon die Lösung des
Problems sein.
Die real existierende Demokratie passt allerdings
bestens zum Kapitalismus. Die regierenden Eliten lassen
sich alle paar Jahre durch Wahlen legitimieren", und
bauen ansonsten die Macht des Staatsapparates so weit wie
möglich aus - und dazu gehört auch die ständige
Effektivierung seiner kapitalistischen Grundlagen.
Auf welcher ökonomischen Grundlage soll die
«Echte Demokratie» funktionieren? Auf kapitalistischer? Würde
der Kapitalismus denn humaner, wenn es mehr
demokratische Mitbestimmung geben würde?
«Wir sind uns einig, dass grundlegende
Veränderungen notwendig sind _
europaweit....»
Nur welche? Wer die
Marktwirtschaft" behalten will, braucht international erfolgreiche Banken, die
brauchen ihrerseits Wirtschaftswachstum und Profite, an denen
sie partizipieren und so weiter. Leiden die Banken, geht
der Euro in den Keller, das ganze Geld wird entwertet.
Statt dessen sollte man sich doch überlegen, ob
nicht das ganze System auf den Müll gehört, in dem alles
und jeder vom Geldkapital abhängig ist und das man
Kapitalismus nennt!
Teilnehmer des Sozialforum Eimsbüttel
|