Haupt-Aufruf des revolutionären 1. Mai-Bündnisses 2010 zur Demonstration um 18:00 Bhf. Altona
Kapitalismus bedeutet Krieg und Krise
Die Opfer der Krise
Wir erleben derzeit eine der größten
Wirtschaftskrisen. Politiker und Unternehmer jammern über
gesunkene Wachstumsraten. Das ist im Kapitalismus ein Skandal!
Sinn und Zweck dieser Wirtschaftsordnung ist nämlich, dass
ständig immer mehr Profit gemacht wird. Wenn dies ausbleibt,
geht nichts mehr. Das zeigt sich in katastrophalem Ausmaß in
der Krise. Es kommt zu Massenentlassungen von Arbeiterinnen
und Arbeitern, weil es ohne Wachstum auch weniger
Warenproduktion gibt. Die Zukunftsaussichten von vielen
Beschäftigten sehen schlecht aus: Kurzarbeit und das damit
einsetzende Ausbleiben eines Teils des Lohnes sind nur die erste Stufe
einer größeren Entlassungswelle.
Andererseits schreibt man in der Finanzbranche, die ja
die Krise ausgelöst hat, offenbar wieder schwarze Zahlen:
Nicht wenige Großbanken, darunter z.B. die Deutsche Bank,
sind wieder gut im Plus. Ihre Macht ist sogar gewachsen und
sie haben wieder ihre Kredite verteuert.
Das bekamen
ganze Konzerne, ja sogar Staaten der Euro-Zone zu
spüren. Griechenland hat ernsthafte Schwierigkeiten, ebenso
Spanien, Portugal und Italien.
Jede Menge Opfer hat das Kapital schon immer
gefordert. Seit über 20 Jahren sinken in Deutschland die Reallöhne.
Auf der anderen Seite wurde die Produktivität in den letzten
Jahren kontinuierlich gesteigert. Ständig wurden und werden
Stellen weg rationalisiert. Damit die Reichen immer reicher
werden, verlieren immer mehr Menschen ihr Einkommen zu
Gunsten des Kapitals, Das geschieht keineswegs nur während
einer Krise. In der Krise zeigt sich diese Gesetzmäßigkeit nur
umso deutlicher. Die Leute haben nicht nur die Opfer der Krise
zu tragen, sondern sollen auch noch dafür bluten, dass
die Deutsche Wirtschaft wieder weltweit auf Expansionskurs
gehen kann. Steuergelder wurden und werden
systemrelevanten" Unternehmen direkt in den Rachen geschoben. Der
dadurch überschuldete Staatshaushalt soll auf unsere Kosten
saniert werden. So ist mit Erhöhungen der Verbrauchs- und
Lohnsteuer und noch mehr Sozialkahlschlag zu rechnen: das
Schließen von öffentlichen Einrichtungen und Kürzungen von Geldern
für Kindergärten, Schulen und Gesundheitswesen stehen auf
dem Plan. Hier zeigt sich eindeutig, wer die Opfer des
kommenden Aufschwungs sind: die Arbeiterinnen, Arbeiter und alle
anderen, die von Lohn- und Sozialleistungen abhängig sind.
Blühende Landschaften und ein Leben in Saus und Braus!
Die Lage der Menschen, die von Lohneinkommen
abhängig sind, wird immer bedrohlicher. Wer noch einen regulären
Job hat, muss befürchten, ihn zu verlieren oder mit
deutlichen Lohneinbußen zurecht kommen zu müssen. Viele haben
Angst und gehen sogar krank zu Arbeit. Viele Belegschaften sind
durch ganz unterschiedliche
Beschäftigungsverhältnisse, Stundenlöhne und Arbeitsverträge gespalten. Vielen
dämmerst erst, dass die eigenen Probleme meistens auch die
gleichen Probleme der anderen sind. Viele leben und
arbeiten individualisiert. Von oben wird weiterhin versucht, noch
mehr zwischen Stammbelegschaft", Leiharbeitern,
gering Beschäftigten zu spalten, und auch noch nach der Herkunft
und zwischen Mann und Frau. Auf die Verschlechterungen
der Arbeitsverhältnisse der einen, folgt früher oder später
die Verschlechterung der Arbeit der anderen. Auf derartiger
Spaltung basiert der Druck, den die Kapitalisten auf die
ArbeiterInnen ausüben.
Diese Spaltung wird auch auf politischer Ebene durchgezogen, vor allem durch die ständige Ausweitung
des Niedriglohnsektors. Immer mehr Leute mit Vollzeit-Jobs
müssen von Sozialleistungen leben und ihren Alltag an Hartz IV-
Sätze anpassen. Dies bedeutet konkret: kein gesundes Essen
und kein kulturelles Leben, Schikanen beim Arbeitsamt. Das
betrifft erst recht diejenigen, die gar keinen Job mehr finden
können. Insgesamt werden Millionen Familien vom Hartz-IV-Staat
sozial ausgegrenzt. Denn schnell sind die Erwerbslosen
als Sündenbock ausgemacht für die im Kapitalismus
unvermeidliche Arbeitslosigkeit.
Die Menschen wurden tatsächlich vom Kapital aus
dem Arbeitsleben verdrängt. Die gestiegene Produktivität in
den Fabriken machte sie für das Kapital überflüssig. Anstatt
den technischen Fortschritt im Interesse der arbeitenden
Menschen zu nutzen, muss ein immer weiter schrumpfender Teil
der lohnabhängigen Klasse immer mehr leisten.
Wer noch nicht arbeiten muss, wird in der Schule oder
im Studium auf diese Arbeitsverhältnisse auf Leistung getrimmt
und aussortiert. Die Jugendlichen lernen nicht für ihre freie
Entwicklung, sondern dafür, dass sie sich auf ihre
durchweg untergeordnete Rolle im Arbeitsleben einstellen. Dabei
wird kräftig durch Büchergeld, Nachhilfekosten und
Studiengebühren aussortiert.
Dieses Schulsystem macht krank. Schon Kinder
nehmen täglich Psycho-Medikamente, um Frust und Stress auszuhalten.
Das betrifft aber nicht alle. Der Kapitalismus ist
schließlich eine Klassengesellschaft. Die Reichen bleiben meistens
unter sich und spendieren ihrem Nachwuchs Privatschulen.
Sie wissen, was das öffentliche Bildungssystem für Chancen
bringt. Wer arm oder reich wird, entscheidet sich so schon
meistens mit der Geburt. Die einen erwerben ihr Vermögen
durch Erbschaft. Die anderen dürfen versuchen, durch ganz
viel Bildung und Ausbildung Karriere zu machen. Das klappt
natürlich meistens nicht. Für die meisten jungen Menschen sind
die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt trostlos: viele finden
nichts anderes als ein unbezahltes Praktikum.
Deutschland im Krieg!
In diesen schwierigen Zeiten spielt sich die Bundeswehr
als guter Arbeitgeber auf, da wären Jobs sicher und man
könnte auch kräftig Geld sparen. Viele gehen wegen der
trüben Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt zum Bund". Der
Nachwuchs der besser etablierten Schichten kann besseres mit seiner
Zeit anfangen, als für die Kriege des westlichen
Militärbündnisses Kanonenfutter zu spielen. Aus den Familien, die keine
Sorgen mit dem Arbeitsmarkt haben, kommen auch eher
weniger Freiwillige, die auf den platten Nationalismus hereinfallen _
von wegen das Vaterland in Not", und zwar am Hindukusch".
Dazu werden Feindbilder geschaffen. Gestern waren es
die Russen", gerade ist es der islamische Terror" - und in
naher Zukunft werden es der Iran, die Chinesen" sein - oder
sonst wer, der sich gerade mit den kapitalistischen Zentren
zerstritten hat.
Der nächste Krieg kommt bestimmt. Und seit Schröder
steht wieder fest: kein Krieg mehr ohne deutsche Beteiligung. Durch
Rüstungslieferungen ist Deutschland sowieso
überall dabei. Über den Einsatz deutscher Truppen
wird von Fall zu Fall entschieden. So beteiligt sich die
Bundeswehr mit immer mehr SoldatInnen und an immer mehr
Kriegen. Solche Kriege werden z.B. wegen
geostrategischer Interessen geführt: in
Zentral-Asien will der Westen" unter anderem
militärische Überlegenheit gegenüber Russland
und China demonstrieren.
Am Horn von Afrika" wird für die
Sicherung der Interessen der
Außenwirtschaft" gekämpft. Wegen
dem Zugang zu Märkten wurden auch schon Kriege geführt.
Schließlich werden dadurch immer wieder
ganze Volkswirtschaften ruiniert. Die
globale Öffnung der Märkte" brachte selbst für
die Schwellenländer" alles andere als
stabile Verhältnisse. Die Militäreinsätze
dienen einer kapitalistischen Weltordnung, die
neben der Weltwirtschaftskrise lauter akute Brandherde hervorbringt.
Beim Einsatz der Bundeswehr geht es darum, den Reichtum
der ganzen Welt für das hiesige Wirtschaftssystem
auszunutzen. Es geht darum, die Verhältnisse, die unser Leben
hier verschlechtern, in die weite Welt zu tragen. Es geht um
noch mehr globale Freiheiten, die das Kapital gerne genießen
möchte. Es geht um noch mehr Armut für die Mehrheit und darum,
dass immer mehr Reichtum für eine kleine Minderheit produziert
wird. Dies spiegelt sich auch im Weltmaßstab wieder.
Die unvermeidliche Folge dieser kapitalistischen
Zustände sind Millionen von Todesopfern. Wo man die Menschen
nicht gleich dem Hungertod überlässt, werden sie unter
Sklaverei-ähnlichen Arbeitsverhältnissen bis aufs
Knochenmark ausgebeutet - auch von deutschen Konzernen. Dies
erleiden Menschen nicht nur in ihren Heimatländern", sondern auch
als illegalisierte Migrantinnen in Deutschland. So profitierten
die Konzerne von der Armut, die sie selbst mit geschaffen haben.
Diese Politik liegt nicht in unserem Interesse, sondern
im Gegenteil. Sie schadet uns und unseren Lebensgrundlagen
in der Natur. Die Jugend soll im Krieg für mehr Profite ihr
Leben lassen und die Weltsicherheitslage verschärft sich so,
dass kommende Kriege auch in Europa nicht auszuschließen sind.
Nach den Sternen greifen...
Für uns ist diese ganze Entwicklung nicht mehr
länger hinnehmbar. Der Agenda der Sozial- und Lohnkürzungen
müssen wir unsere Agenda des Widerstandes entgegensetzen.
Wir müssen uns organisieren und unsere Stimme
gemeinsam erheben. Wir haben verstanden, dass
nicht irgendwelche Auswüchse oder Pannen des Systems
an unseren Problemen Schuld sind. Das System erfüllt
gerade seinen Zweck, in dem er uns in die Armut treibt und dadurch
das Vermögen der Kapitalisten vermehrt.
Es gilt also unseren Kampf gegen dieses kapitalistische
System zu organisieren. Der Kampf beginnt nicht am 1. Mai und endet
auch nicht mit ihm. Es ist notwendig, zum Widerstand
entschlossene Menschen zu sammeln und gemeinsam aktiv zu
werden. Damit der Widerstand geleistet werden
kann, der geleistet werden muss und z.B. der bundesweite
Aktionstag am 12.6. gegen die kapitalistische Krise ein Erfolg wird!
Es ist uns klar, dass wir die Wirtschaft und die
Gesellschaft radikal und revolutionär ändern müssen, damit der Mensch
und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt des Wirtschaftens steht.
Wir wollen nicht mehr auf morgen oder ins Jenseits
vertröstet werden. Wir haben nur ein Leben, und das findet hier und
heute statt, deshalb lasst uns gemeinsam für ein besseres
Leben kämpfen!
Kommt zur revolutionären 1. Mai
Demonstration!
1. Mai 2010 um 18:00 Bahnhof Altona