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Der
1. Mai 2010 in Hamburg:
Stellungnahme
des Vorbereitungskreises der Revolutionären 1. Mai Demonstration
Revolutionärer
und internationalistischer Block auf der Demonstration des DGB
Neben
der revolutionären Demonstration am Abend, rief das
revolutionäre 1. Mai-Bündnis Hamburg zur Teilnahme an der
DGB Demonstration am Mittag auf. Um dem sozialpartnerschaftlichen
Kurs der DGB-Führung eine klare, klassenkämpferische
Perspektive entgegen zu setzen, wurde ein eigener Block mit einer
deutlichen revolutionären und internationalistischen Ausrichtung
organisiert.
Als
die Demonstration sich in Bewegung setzte, zeigte sich schnell, dass
die Erwartungen unsererseits deutlich übertroffen wurden. Gut
500 GenossInnen beteiligten sich am revolutionären Block. Er war
damit einer der, wenn nicht der größte Block auf der DGB
Demo. Besonders erfreulich war die Teilnahme vieler türkischer
und kurdischer GenossenInnen, vor allem von AGIF, ADGH und ATIK, die
das Erscheinungsbild des Blocks dank vielfältiger Fahnen und
Transparente deutlich prägten. Das Fronttransparent mit dem
Slogan: „Klassenkämpfe entfalten, Kapitalismus
zerschlagen“ verdeutlichte noch einmal die inhaltliche
Ausrichtung des Blocks. Schließlich kann nur eine konfrontative
Haltung gegenüber Staat und Kapital den Lohnabhängigen
gerade in der Krise eine Perspektive verschaffen, wenn es um den
Kampf gegen Erwerbslosigkeit, Lohnsenkung und Sozialabbau geht. Das
Anliegen der Demonstrierenden wurde auch durch entsprechende
antikapitalistische Parolen deutlich gemacht. Die Demonstration wurde
ohne Zwischenfälle erfolgreich zu Ende geführt.
Revolutionäre
1.Mai Demo 18 Uhr
Es
wurde im Vorfeld viel über diese Demonstration geschrieben und
gesagt. Die bürgerliche Presse verbreitete die übliche
Hetze, antideutsche Gruppen sprangen auf diesen Zug auf, und ein
Flora „Plenum“ erklärte erstmals öffentlich,
dass die Demonstration nicht unterstützt würde. Hinzu kam
ein geplanter Naziaufmarsch in Rostock, zu dessen Gegenaktionen ein
Großteil der autonomen Antifaszene mobilisierte. Andere Teile
der autonomen und linksradikalen Szene mobilisierten zur Mai-Demo
nach Berlin. Aus diesen Gründen wurde die erwartete
Teilnehmerzahl auf bestenfalls 500 geschätzt. Als sich gegen 18
Uhr der Ort der Auftaktkundgebung am Bahnhof Altona füllte,
wurde klar, dass es erfreulicherweise wesentlich mehr TeilnehmerInnen
werden als gedacht. Ein erster Redebeitrag thematisierte unter
anderem die jüngsten Opfer des deutschen Imperialismus am
Hindukusch, in deren Gedenken eine Schweigeminute abgehalten wurde.
Anschließend lief die Demonstration los. Es wurde deutlich,
dass sich rund 1800 Menschen in den Demonstrationszug eingereiht
hatten. Erfreulich war auch die Teilnahme vieler junger Menschen, und
hier besonders viele mit Migrationshintergund.
Wenige
Meter nach dem Start begann dann die Polizei mit ihrer Serie von
Provokationen. Mal war es die angebliche Vermummung von
Demonstranten, mal das anzünden von Böllern, welches die
Ordnungshüter immer wieder als Grund angaben, die Demonstration
anzuhalten. Eine besonders gefährliche Schikane war eine längere
Blockade der Demonstrantion im Lessingtunnel. Doch die
TeilnehmerInnen ließen sich nicht provozieren und die
Demonstration wurde relativ diszipliniert zum Ort der Endkundgebung
S-Sternschanze zu Ende geführt. Die Parolen während der
Demonstration hatten hauptsächlich die Polizeirepression, aber
auch den notwendigen Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus zum
Thema. Die Abschlusskundgebung wurde durch zwei Redebeiträge
eingeleitet. Der erste hatte die notwendigerweise zu führenden
Kämpfe der Lohnabhängigen zum Thema und der andere zeigte
die trostlosen Perspektiven der Jugend im Kapitalismus auf.
Anschließend begann der Auftritt der Band "Les Refugiés".
Die Bandmitglieder sind Flüchtlinge, die ihren Lageralltag und
den Rassismus von Polizei und Gesellschaft in ihren Reggaesongs
thematisieren. Nach dem Auftritt war noch der Auftritt eines Hip Hop
Acts vorgesehen. Doch diesem Ansinnen machte die Polizei schon nach
zwei Liedern einen Strich durch die Rechnung, als sie die
Abschlusskundgebung mit Wasserwerfern angriff. Die
KundgebungsteilnehmerInnen wurden in Richtung Fruchtallee getrieben.
Dabei kam es zu teilweise heftiger Gegenwehr.
Schon
während der Auflösung unserer Schlusskundgebung begannen
ähnliche Auseinandersetzungen wie am Vorabend im ganzen
Schanzenviertel. In den weiteren Abendstunden kam es immer wieder zu
erfolgreichen Angriffen auf die Polizei, Banken Drogeriemärkte
und Supermarktketten. Die Situation beruhigte sich erst in den frühen
Morgenstunden.
Fazit
Der
Tag kann insgesamt als klarer Erfolg gewertet werden. Die
TeilnehmerInnenzahlen sowohl auf der DGB Demo als auch Abends auf der
revolutionären Demonstration übertrafen sämtliche
Erwartungen. Die vermittelten Inhalte waren wie beabsichtigt klar
revolutionär und antikapitalistisch, die altersmäßige
Zusammensetzung der Abenddemonstration insgesamt erfreulich. Eine
Erweiterung und damit Stärkung des Vorbereitungsbündnisses
für das nächste Jahr muss stattfinden, damit der
internationalistische Block auf der DGB-Demo und die revolutionäre
1.Mai-Demo wirkungsreicher werden. Alle Gruppen der radikalen Linken
sind aufgerufen sich im nächsten Jahr einzubringen und mit uns
gemeinsam die 1.Mai-Aktivitäten zu organisieren. Noch klarer
muss von uns in Zukunft vermittelt werden, dass der Konsum von
Alkohol vor und während einer Demo zu unterlassen ist. Die
vielfältigen Aktionen im Anschluss an die Demonstration bis in
die Nacht hinein waren erstens eine deutliche Antwort auf das
provokative Vorgehen der Hamburger Polizei, aber auch eine klare
Absage an reformistische Politik und die Befriedung sozialer
Probleme. Mit ihrem martialischem Auftreten versucht die Staatsgewalt
bei Jugendlichen ein Gefühl der Ohnmacht zu erreichen. Dieses
Gefühl der Ohnmacht ist aber längst das Lebensgefühl
der heranwachsenden Generation. Dieses Gefühl verwandelt sich in
zunächst noch ohnmächtige Wut. Das zeigte die große
Zahl von militanten Jugendlichen.
In
den Tagen nach diesen Ereignissen, zeigte sich sowohl die Presse als
auch die Polizei überrascht. Schnell beeilte man sich, bei jeder
passenden und unpassenden Gelegenheit zu betonen, dass die
Auseinandersetzungen im Anschluss an die revolutionäre Demo von
total unpolitischen Jugendlichen aus den Hamburger Randgebieten
getragen wurden. Wir wollen uns nicht auf Spekulationen einlassen,
wer denn nun genau an diesen Aktionen beteiligt war. Es gab gezielte
Angriffe von mehreren hundert Jugendlichen auf das staatliche
Gewaltmonopol, auf Banken usw. Dies zeugt in der aktuellen
gesellschaftlichen Situation nicht von einer unpolitischen Haltung.
Unpolitisch sind einige TeilnehmerInnen dieser Aktionen höchstens
in dem Sinn, dass sie zwar ihren sozialen Unmut kundtun, aber keine
revolutionäre Perspektive sehen und sich nicht in politischen
Strukturen organisieren. Diese Organisationsstrukturen zu schaffen
ist die Aufgabe der Revolutionären Linken.
So
haben unserer Meinung nach auch diese Aktionen ihren Anteil am
erfolgreichen revolutionären 1. Mai. Sie haben drastisch
aufgezeigt, in welche Lage der Kapitalismus Menschen auch im reichen
Hamburg bringt. Der Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung ist
keine ausschließliche Angelegenheit für den ersten Mai,
sondern wird Praxis einer kontinuierlichen revolutionären
Politik das ganze Jahr über sein. In diesem Sinne:
Die
Klassenkämpfe entfalten - Kapitalismus zerschlagen
Für
die soziale Revolution!
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